Unterrichten ist viel mehr als „bloßes Lehren“


Passiert es euch manchmal auch, dass eure Tätigkeit abwertend kommentiert wird?

Ich bekomme oft zu hören, dass ich so einen tollen und einfachen Job habe, geradezu zu einfach, gut bezahlt und scheinbar die perfekte Tätigkeit für eine Frau bzw. eine Mutter!!!

Ich versuche mir in dem Moment vorzustellen, was in den Köpfen der Menschen vorgehen muss, um diesen sehr anspruchsvollen und überhaupt nicht einfachen Job als „einfach“ zu bezeichnen.

Der Mythos vom einfachen Lehrerberuf

Es scheint ein weit verbreitetes Missverständnis zu sein: Lehrer*innen hätten vormittags ein paar Stunden Unterricht, genießen lange Ferien und müssten sich um nichts weiter kümmern. Doch wer wirklich in diesem Beruf arbeitet, weiß, dass die Realität ganz anders aussieht.

Unterrichten ist mehr als nur Wissen vermitteln. Es ist Beziehungsarbeit, Erziehungsarbeit und oft auch ein Spagat zwischen den unterschiedlichsten Anforderungen. Lehrer*innen müssen sich nicht nur fachlich, sondern auch pädagogisch und psychologisch weiterentwickeln. Wir sind nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Motivatoren, Konfliktlöser, Organisatoren, Berater und Vorbilder.

Die Unsichtbare Arbeit hinter dem Unterricht

Was viele nicht sehen: Der Unterricht selbst ist nur die Spitze des Eisbergs. Jede Unterrichtsstunde erfordert Vorbereitung – das bedeutet Stunden an Planung, Materialerstellung und methodischer Gestaltung. Hinzu kommen Korrekturen, Konferenzen, Weiterbildungen und individuelle Förderung der Schüler*innen.

Dazu kommen immer häufiger Herausforderungen wie verhaltensauffällige Schüler*innen, überfüllte Klassen, unzureichende Ressourcen oder eine steigende Erwartungshaltung von der Gesellschaft. Wer das nicht erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, wie komplex und kräftezehrend dieser Beruf sein kann.

Leidenschaft und Verantwortung

Warum machen wir es trotzdem? Weil Unterrichten nicht nur ein Job, sondern eine Berufung ist. Es geht darum, junge Menschen zu fördern, sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten und ihnen nicht nur Wissen, sondern auch soziale und persönliche Kompetenzen zu vermitteln. Es ist ein Beruf, der viel zurückgeben kann – sei es durch das Strahlen eines Schülers, der etwas verstanden hat, oder durch die Dankbarkeit junger Menschen, die sich durch unsere Unterstützung weiterentwickeln konnten.

Ein Appell an mehr Wertschätzung

Vielleicht wird es Zeit, dass wir als Gesellschaft den Lehrberuf endlich in einem realistischen Licht betrachten. Lehrer*innen arbeiten nicht weniger als andere Berufe – sie arbeiten nur anders. Ein bisschen mehr Anerkennung und Respekt wären da durchaus angebracht.

Wie geht es euch? Wurde eure berufliche Tätigkeit auch schon einmal unterschätzt oder abgewertet? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!


Storry telling im Deutschunterricht

Es war einmal ein… Kommt dir das bekannt vor? So fangen fast immer viele Märchen an. Das faszinierende an den Geschichten und Erzählungen ist, dass man sich fast immer an die Geschichte erinnert, unabhängig davon, wann sie erzählt wurde. Warum fesseln uns die Geschichten so?

Neurowissenschaften sagen, dass wir mit unseren allen Sinnen dabei sind, sobald uns jemand eine Geschichte erzählt. Es ist also kein Wunder, dass wir nicht nur als Kinder sondern auch als Erwachsene dem Erzählen von Geschichten verfallen sind.

Gerade aus diesem Grund ist Storytelling im fremdspachlichen Unterricht eine gute Möglichkeit, die Teilnehmer dazu zu animieren, kreativ, interaktiv und mit allen Sinnen die Fremdsprache zu lernen.

In meinem Unterricht greife ich immer wieder auf dieses Thema zu, vor allem wenn wir Temporalsätze lernen oder Geschehnisse wiedergeben. Da das Geschichtenerzählen fast zu jedem grammatischen Thema passt, ist es auch relativ einfach diese im Unterricht einzusetzen.

Dabei ist mir aufgefallen, dass die Teilnehmer sich den Wortschatz und die grammatische Struktur am besten einprägen, wenn die Geschichte etwas mit ihrem Leben und ihrem Alltag zu tun hat.

Deswegen passe ich immer den Wortschatz dem Alltag meiner Teilnehmer an. Wenn ich also nur „junge Studenten“ im Kurs habe, dann benutze ich Wörter wie „studieren“, „Kommilitonen“, „vorbereiten“, „Universität“, „Semesterbeitrag“, „ECTS“, „Fachschaft“, „Essay“, „Hausarbeit“ usw.

Lehrer*in zu sein, heißt Alchemie zu betreiben

Lehrer*in zu sein, heißt Alchemie zu betreiben. Denn genau wie ein Alchemist Edelmetalle formt, formt der Lehrer seine Schüler.  Die Lehrer des 21. Jahrhunderts sind bereit über ihre Grenzen hinaus zu gehen, zu wachsen und mit großer Neugier dorthin zu gehen, wohin kein Mensch je zuvor gegangen ist. Sie setzen ihre ganze Energie darin ein, Wissen bedingungslos zu vermitteln aber auch Neues zu lernen.

Ich habe einmal gelesen, dass Lehrer ähnlich wie Lider seien: vertrauenswürdig, souverän, loyal, zuverlässig, ehrlich und authentisch. Der respektvolle Umgang also sollte die Basis für eine gelungene Beziehung zwischen Lehrern und Schülern sein. Es sollte ein Zusammenspiel von Geben und Nehmen sein, in dem die Lehrenden ihre Schüler fördern, motivieren und das Beste aus ihnen herausholen.

Lehrer sind es, die eine Struktur aufrechterhalten. Sie halten die Klassendynamik zusammen. Sie sind diejenigen, die mit Liebe jede einzelne Person unterrichten. Denn wie einst der Pädagoge Adolph Diesterweg sagte, Lehrer und Schüler „tauschen die Seelen gegeneinander aus.“

Die alten Indianer pflegten einander zu sagen: „Du bist ich.“  Würden wir jedem so begegnen, gäbe es unserem Wachstum kein Ende.

Es ist aber unser Ego, der uns im Weg steht, diese so bedeutende Aufgabe mit voller Aufrichtigkeit auszuüben.

Flexibel unterrichten- Geht das?

Wenn das, was du tust, nicht funktioniert, dann tue etwas anderes.

Diese Aussage ist ziemlich witzig, wenn man bedenkt, wie verbohrt wir manchmal sein können.

Immer wieder höre ich von meinen KollegInnen, dass manche Schüler „einfache“ Sachen nicht verstehen, wobei sie doch alles gut erklärt hätten. Es müsste doch an den Schülern liegen, dass sie nie gelernt haben, richtig zu lernen. Dabei vergessen wir alle, dass es völlig simpel und absolut natürlich ist, Dinge auch mal anders anzugehen, wenn wir merken, dass etwas nicht funktioniert. 

Abgesehen von den praktischen Tipps, die ein Lehrer im Laufe seiner Lehrerausbildung gelernt und entwickelt hat, ist es ebenso wichtig, flexibel und offen gegenüber neuen Methoden zu sein. Anstatt sich auf das Problem zu fokussieren, sollten wir uns lieber der Lösung widmen. Denn genau diese strammen Vorgehensweisen machen unser Leben schwer.